Um mich auf diese Route vorzubereiten, bin ich erst mal losgefahren und wollte lange Bandschlingen kaufen. Die gab es natürlich nicht. Also musste ich mit dem, was ich gerade hatte, einsteigen. Es war die erste “große” Route am Baum, die ich im sauberen Rotpunkt klettern wollte. “Groß”, da ich schon Astrein -einen schmalen Baum- vorgestiegen war. Aber dies sollte der erste breite Baum (unten ca. 2,30 m Umfang) sein, den ich versuchte. Mit einer Höhe von 8 m und leicht bröckeliger Rinde ein “interessantes” Projekt.

Vorstieg Sheriff Nottingham

Am Gurt hatte ich eigentlich alles Material, was ich so besaß. Also los ging’s. Die Klettertechnik ist abgeleitet aus dem Palmklettern, da man keine Griffe zum ziehen sondern nur Seitgriffe hat und selbst mit Kletterschuhen keine vernünftigen Tritte zu finden sind. Gezwungenermaßen also barfuß. Mit den Händen nach Griffen suchend, die Füße auf Reibung in die Rinde gedrückt, begann der Einstieg, bis dann auf 3,5 m erst die erste Klippposition kam. Den einen Fuß auf einem kleinen stark bröckelnden Gnubbel, den anderen um den Baum geschlungen, versuchte ich erst zwei verschieden große Bandschlingen um den Baum zu werfen. Schließlich gelang es mir  einhändig meine längste Bandschlinge mit einer kurzen zu verknüpfen, was dann gerade so reichte, um zu klippen. Jetzt weiter: Seil einhängen. Füße auf Reibung. Hände in die Rinde krallen. Links bricht etwas Kleines raus. Die Tür schwingt auf; der linke Fuß rutscht ein Stück. Da wieder ein Griff. Den Fuß wieder hoch gesetzt. Der Großzehballen wird in die Rinde gedrückt. Die Hände finden endlich gute Griffe. Seitgriffe. Die Füße wieder ein Stückchen hoch bis der nächste Gnubbel erreicht ist. Schnell eine Bandschlinge über den Kopf streifen, mit Schwung um den Baum schleudern und mit der anderen Hand auffangen. Und es geht mir durch den Kopf, dass ich mich nicht an der Bandschlinge festhalten darf, damit es ein sauberer Rotpunktdurchstieg wird. Also die Wange an den Baum und flink geklippt. Endlich keine Groundergefahr mehr. Ein Blick nach oben und weiter. Da endlich der erste Griff, ein Astwulst zum reingreifen. Doch darüber glattere Rinde. Also stemmen aus einer Position ohne Griffe. Die andere Hand krallt langsam in den senkrecht verlaufenden Rindenrissen nach oben. Selbst der große Zeh krallt in das rauhe Holz. Dann endlich Stand unter den Füßen, ein handbreiter Astrestvorsprung. Ohne Eile die Selbstsicherung in der Hand, 8 m Luft unter den Füßen, einatmen, nach unten schauen und in Ruhe einen Stand bauen.

Für mich eines der schönsten Klettererlebnisse, nah am Objekt, klettert man eher mit als an oder auf dem Baum, muss sich an ihn anpassen. Zu jeder Jahreszeit anders an die Routen herangehen und natürlich Jahr für Jahr die Routen neu beobachten, denn sie wachsen mit.

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